DOMID

Migration ist zentral für die deutsche Geschichte. Sie hat Städte geprägt, Arbeitswelten verändert, Familiengeschichten geschrieben und die Gesellschaft nachhaltig beeinflusst. Wir von context YELLOWS finden daher DOMiD (Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland) besonders spannend. Seit mehr als drei Jahrzehnten sammelt, bewahrt und erzählt die Organisation Geschichten von Menschen, die nach Deutschland eingewandert sind oder deren Leben durch Migration geprägt wurde.

Von der Garage zum bundesweit bedeutenden Archiv

Die Geschichte von DOMiD beginnt 1990 in Essen. Damals gründeten Migrant*innen aus der Türkei den Verein zunächst unter dem Namen DOMiT. Ihr Ausgangspunkt war eine einfache, aber wichtige Beobachtung: Die Geschichte der Einwanderung wurde in Museen, Archiven und der historischen Forschung kaum ausreichend berücksichtigt.

Um diese Lücke zu schließen, begannen die Gründer*innen, persönliche Dokumente, Fotografien, Gegenstände und andere Zeugnisse des migrantischen Alltags zu sammeln. Das erste Archiv entstand in einer Garage. Im Jahr 2000 zog die Organisation nach Köln um. 2007 fusionierte DOMiT mit dem Verein „Migrationsmuseum in Deutschland“ und wurde zu DOMiD. Damit weitete sich der Blick von der Migration aus der Türkei auf die vielfältige Migrationsgeschichte Deutschlands insgesamt aus.

Heute verfügt DOMiD über eine bundesweit einzigartige Sammlung mit mehr als 150.000 Zeitzeugnissen. Dazu gehören Alltagsgegenstände, Fotos, Dokumente und audiovisuelle Medien. Die Sammlung umfasst nicht nur Einwanderung aus anderen Ländern, sondern auch Flucht, Vertreibung, Binnenmigration und unterschiedliche Formen migrantischer Lebenswelten.

Geschichte aus dem Alltag

Besonders spannend an der Arbeit von DOMiD ist der Blick auf die kleinen Dinge. Ein Koffer, ein Arbeitsvertrag, ein Familienfoto oder ein persönlicher Brief können mehr über Migration erzählen als abstrakte Statistiken.

Die Sammlung ist „von unten“ gewachsen. Viele Objekte wurden von Privatpersonen zur Verfügung gestellt, die ihre persönlichen Erinnerungen bewahren und mit anderen teilen möchten. Dadurch entsteht ein historisches Archiv, das nicht ausschließlich aus der Perspektive staatlicher Institutionen erzählt, sondern aus den Erfahrungen der Menschen selbst.

Diese Perspektive macht deutlich: Migration besteht nicht nur aus politischen Entscheidungen und Anwerbeabkommen. Sie besteht aus Menschen, Beziehungen, Hoffnungen, Konflikten, Arbeit, Familie und Alltag.

Migration als Normalfall

DOMiD verfolgt dabei einen besonderen Anspruch. Migration soll nicht als Ausnahme oder Sondergeschichte verstanden werden, sondern als normaler Bestandteil gesellschaftlicher Entwicklung.

Das zeigt sich auch in der Bildungs- und Ausstellungsarbeit. DOMiD entwickelt Ausstellungen, forscht zu migrationsgeschichtlichen Themen, organisiert Veranstaltungen und macht historische Quellen öffentlich zugänglich. Auch das Archiv kann nach vorheriger Anmeldung für Recherchen genutzt werden.

Damit leistet DOMiD einen wichtigen Beitrag zu einer Erinnerungskultur, in der die Erfahrungen von Migrant*innen nicht am Rand stehen, sondern Teil der gemeinsamen deutschen Geschichte sind.

Ob im Archiv, in Ausstellungen, Bildungsprojekten oder im zukünftigen Museum Selma: DOMiD stellt eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Wie wollen wir die Geschichte Deutschlands erzählen und wer kommt darin vor?

Die Antwort darauf betrifft letztlich uns alle. Denn Migration ist ein Teil davon, was Deutschland heute ausmacht. Und wir bei context YELLOWS versuchen, unseren Beitrag zu leisten.