Digitales Lernen für ausländische Pflegekräfte

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Digitales Lernen für ausländische Pflegekräfte Pflegekräfte aus dem Ausland

Vom hybriden Führungskräftetraining bis zum Veranstaltungsformat Online-Barcamp – das neue Konzept des „digitalen Lernens“ umfasst ein breites Spektrum an modernen Methoden der Wissensvermittlung. Ganz besonders eignet es sich für den Einsatz bei der Qualifizierung ausländischer Pflegekräfte, findet Karin Kießling, Geschäftsführerin bei context YELLOWS. Denn diese Zielgruppe ist ohnehin sehr digitalaffin, braucht oft mehrfache Wiederholungen des Unterrichtsstoffes und zusätzliche Lernhilfen.

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Warum hat eLearning im Gesundheitswesen gerade in den letzten Jahren so sehr an Fahrt aufgenommen?

Die Arbeitswelt einer Pflegekraft ändert sich ständig und immer schneller. Neue medizinische Geräte und pflegerische Hilfsmittel werden eingeführt, die Pandemie brachte nie dagewesene Aufgaben und Prozesse mit sich. Wie lege ich die Schutzkleidung sicher an? Wie lauten die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen? Es gab und gibt viel zu erklären. Dazu kommen Pflegestandards, die modernisiert werden, Pflichtfortbildungen von Brandschutz bis Hygiene, die jährlich aufgefrischt werden müssen, und freiwillige Weiterbildungen wie den Praxisanleiter-Kurs. Wer soll das alles lernen, und wann?

Der Aufwand für die Pflegedienstleitung wird dabei immer größer. Fort- und Weiterbildungen müssen geplant und dokumentiert, neu notwendiges Fachwissen muss identifiziert und vermittelt werden – und dann gilt es, bei einer wachsenden Zahl an Mitarbeitenden den Überblick zu behalten. Idealerweise möchte man auch die Personalplanung langfristig denken: Welche Mitarbeitenden müssen in den nächsten fünf Jahren wie fortgebildet werden, damit in Rente gehende Abteilungsleiter*innen ersetzt werden können?

Die Lösung heißt „digitales Lernen“. Man stelle sich eine Onlineplattform vor, in die ich mich als Pflegekraft einloggen kann. Von unterschiedlichsten Geräten aus: am PC im Pflegestützpunkt, am Diensthandy oder am privaten Laptop. Nicht nur finde ich auf der Plattform die Geräteanleitung für den neuen Lifter, die anstehende Datenschutzschulung und das nächste Modul meiner Pflegemanagement Weiterbildung in Form eines Einweisungsvideos oder eines „Screencasts“ (Aufgezeichnete Vorlesung mit Präsentation), sondern die Plattform erinnert mich auch daran, welche Inhalte ich in den nächsten drei Monaten absolvieren muss. Das kann ich mir dann selbst eintakten, wie es am besten passt – in Absprache mit dem Team während der Arbeitszeit oder zu Hause. Und wenn ich fertig bin, informiert die Plattform automatisch die Pflegedienstleitung und die Personalabteilung.

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Was sind die Vorteile des digitalen Lernens?

Die Vorteile des digitalen Lernens liegen auf der Hand. Es spart Zeit und Geld. Mitarbeitende müssen nicht mehr zu Fortbildungen reisen und zwei Tage aus dem Dienstplan herausorganisiert werden, sondern nur die Zeit aufwenden, die es kostet, ein Erklärvideo anzusehen. Nicht nur Reisekosten, sondern auch Kosten für Dienstausfälle werden vermieden.

Digitales Lernen stellt außerdem gleichbleibende Qualität sicher. Wenn jede Pflegekraft dieselbe Onlineschulung durchläuft, sind alle auf demselben Stand. Anders als wenn nach dem „Stille Post“-Prinzip einer dem nächsten die neuen Coronaregeln erklärt und unterwegs viel Wissen verloren geht.

Ein Unternehmen, das digitales Lernen in professioneller Form anbietet, hat nicht nur einen Wettbewerbsvorteil, weil es die Arbeitszeit seiner Mitarbeitenden effizienter gestaltet, sondern auch ein gutes Argument für die Personalgewinnung. Gut organisiertes, selbstbestimmtes, zeitlich und örtlich flexibles, unterhaltsames Lernen ist ein super Argument in der Stellenanzeige und im Employer Branding!

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Warum eignen sich eLearning-Formate besonders gut für ausländische Fachkräfte?

Ausländische Fachkräfte in der Anpassungsphase haben meist noch Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Dem schnellen Unterricht in einer Bildungsstätte können sie oft nur schwer folgen. Lange Tage mit Sprachkursen, Theorieunterricht, Praxiseinsätzen und nebenbei Behördengängen, Wohnungssuche etc. führen irgendwann zu nachlassender Konzentration.

eLearning bietet dann eine gute Möglichkeit, das Lernen auf einen Zeitpunkt zu verlegen, an dem man den Kopf dafür frei hat – vielleicht am Wochenende. Die Formate können auch in der Vorbereitung für die Kenntnisprüfung oder zur Wiederholung des Unterrichtsstoffes eingesetzt werden und nehmen den Lehrkräften Arbeit ab. Wenn es in der Bildungsstätte einen Computerraum gibt oder die Auszubildenden mit Tablets ausgestattet sind, kann man sich gemeinsam – zum Beispiel in Kleingruppen – im Unterricht mit dem Onlinekurs beschäftigen. Das macht im Übrigen Spaß und wird als willkommene Abwechslung zum Frontalunterricht verstanden. Internationale Fachkräfte sind meist ohnehin sehr digitalaffin, da sie es gewohnt sind, über Messaging Dienste oder Video-Apps mit ihren Familien in Kontakt zu bleiben oder vom Ausland aus Vorstellungsgespräche mit deutschen Unternehmen zu führen.

Natürlich müssen die Inhalte der digitalen Kurse speziell für die Zielgruppe internationale Fachkräfte aufbereitet werden: Der Sprecher sollte besonders langsam und Hochdeutsch sprechen, die Sätze sollten einfach formuliert sein. Dabei kann man sich an den Regeln der „Leichten Sprache“ orientieren, die speziell für Menschen mit Beeinträchtigung entwickelt wurde und zum Beispiel kurze Sätze vorsieht und zusammengesetzte Hauptwörter vermeidet. Fachbegriffe sollten gezielt an wenigen Stellen eingesetzt werden – dort, wo die ausländische Pflegefachkraft sie für ihre Fach- und Kenntnisprüfungen kennen müssen. Erklärteile sollten sich mit interaktiven Teilen abwechseln, damit es nicht langweilig wird. Wer sich mit Kommunikation nicht auskennt, sollte bei der Produktion solcher Formate lieber Profis ranlassen…

Neugierig auf mehr geworden?

Das ganze Interview und viele Informationen rund um das Thema Integration und interkulturelle Wissensvermittlung findet Ihr in der Neuauflage unseres neuen Fachratgebers: „Betriebliche, kulturelle und soziale Integration ausländischer Pflegekräfte“.

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