Youna

Künstliche Intelligenz wird häufig mit Effizienz, Automatisierung und Produktivität verbunden. Doch KI kann noch mehr: Sie kann dort Unterstützung bieten, wo Menschen Orientierung, Wissen und einen geschützten Raum brauchen. Wir von context YELLOWS finden YOUNA ein bemerkenswertes Beispiel. Es handelt sich um eine KI-Anwendung, die speziell für Menschen entwickelt wurde, die Rassismus erleben, sowie für Menschen, die Betroffene unterstützen möchten.

Rassismus ist nicht immer offensichtlich. Manchmal sind es Kommentare, Blicke oder vermeintlich beiläufige Fragen, die verunsichern, verletzen oder noch lange nachwirken. In solchen Situationen stellen sich Betroffene häufig ganz konkrete Fragen: War das rassistisch? Wie kann ich reagieren? Welche Rechte habe ich? Wo bekomme ich Unterstützung?

Genau hier setzt YOUNA an. Der Chatbot soll eine erste Orientierung geben, Wissen vermitteln und dabei helfen, aus einer belastenden Situation wieder Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. YOUNA verbindet dabei emotionale, psychologische und rechtliche Orientierung und verweist bei Bedarf auf passende Beratungsstellen. 

Hinter der Anwendung steht ein spezialisiertes Multi-Agenten-System mit unterschiedlichen Fachbereichen. Je nach Anliegen können beispielsweise Soforthilfe, rechtliche Orientierung, Bystanding, Online-Hass, Umfeld Schule/Beruf, oder Selbstfürsorge relevant werden. Die Antworten greifen dabei auf kuratierte und von Expert*innen geprüfte Inhalte zurück. Ziel der Anwendung ist, in einem sehr spezifischen und sensiblen Kontext möglichst hilfreich, respektvoll und handlungsorientiert zu sein.

YOUNA wurde von einem interdisziplinären Team aus den Bereichen Technologie, Psychologie und Recht entwickelt. Das Ziel: digitale Selbsthilfe niedrigschwellig verfügbar zu machen. Dabei geht es nicht darum, professionelle Unterstützung durch KI zu ersetzen. YOUNA macht ausdrücklich deutlich, dass der Chatbot weder Therapie noch individuelle Rechtsberatung oder Notfallhilfe ersetzt. Vielmehr soll er eine erste Anlaufstelle sein und den Weg zu den jeweils passenden weiteren Angeboten erleichtern.

YOUNA richtet sich nicht ausschließlich an Menschen, die selbst Rassismus erfahren haben. Auch sogenannte Allies (Menschen, die Betroffene unterstützen möchten) können das Angebot nutzen. Sie erhalten Informationen und konkrete Handlungsmöglichkeiten, um in Situationen von Diskriminierung sensibel und angemessen reagieren zu können. Damit wird YOUNA auch zu einem Instrument für Sensibilisierung und gesellschaftliches Lernen.

Gerade für Organisationen, Unternehmen und Bildungseinrichtungen ist dieser Aspekt spannend. Denn eine diskriminierungssensible Kultur entsteht nicht allein durch Richtlinien und Schulungen. Sie entsteht auch dadurch, dass Menschen wissen, wie sie in konkreten Situationen handeln können.

Damit liefert YOUNA einen wichtigen Impuls für die weitere Entwicklung von KI: Technologie kann dann besonders wertvoll sein, wenn sie nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern Menschen stärkt.