Schule ohne Rassismus

Eine Schule ist mehr als ein Ort zum Lernen. Sie ist ein Ort, an dem Menschen Gemeinschaft erleben, unterschiedliche Perspektiven kennenlernen und lernen, Verantwortung zu übernehmen, damit sich alle wohl und als Teil der Gemeinschaft fühlen. Genau hier setzt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an.

Rassismus und Diskriminierung beginnen nicht erst bei offenem Hass oder Gewalt. Sie können sich auch in Sprache, vermeintlichen Witzen, Vorurteilen, Ausgrenzung oder alltäglichen Situationen zeigen. „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ möchte deshalb eine Kultur des Hinschauens fördern. Schülerinnen und Schüler sowie Pädagoginnen und Pädagogen sollen die Möglichkeit bekommen, das Klima an ihrer Schule aktiv mitzugestalten und sich für ein respektvolles und demokratisches Miteinander einzusetzen. Rund 5.000 Schulen in Deutschland gehören inzwischen zum Netzwerk. Mehr als 2,5 Millionen Schülerinnen und Schüler besuchen damit Schulen, deren Mitglieder sich aktiv für die Gleichwertigkeit aller Menschen und gegen Diskriminierung einsetzen. 

Dabei geht es längst nicht ausschließlich um Rassismus. Das Netzwerk beschäftigt sich unter anderem auch mit Antisemitismus, Sexismus, Mobbing, Muslimfeindlichkeit, Queerfeindlichkeit, Klassismus und Rechtsextremismus. Im Mittelpunkt steht die Gleichwertigkeit aller Menschen.

Ein wichtiger Punkt wird dabei häufig übersehen: Die Bezeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist kein Zertifikat dafür, dass an einer Schule kein Rassismus existiert.

Vielmehr steht sie für eine Selbstverpflichtung. Mindestens 70 Prozent der Schulmitglieder müssen sich dafür aussprechen, sich aktiv gegen Diskriminierung, insbesondere Rassismus, einzusetzen. Anschließend geht es darum, diese Haltung im Schulalltag mit Leben zu füllen. Das macht den Ansatz besonders wertvoll: Nicht die Auszeichnung ist das Ziel, sondern der langfristige Prozess.

Die teilnehmenden Schulen entwickeln eigene Projekte und Aktionen: von Workshops und Projekttagen über Ausstellungen und Theater bis hin zu Diskussionsveranstaltungen, Gedenkveranstaltungen oder kreativen Aktionen. Dabei entscheiden die Schülerinnen und Schüler selbst, welche Themen für ihre Schule besonders relevant sind. So wird Demokratie nicht nur theoretisch vermittelt, sondern praktisch erlebt.

Denn wer lernt, die eigene Stimme einzubringen, andere Perspektiven auszuhalten, Konflikte konstruktiv auszutragen und Verantwortung für das eigene Umfeld zu übernehmen, entwickelt Kompetenzen, die weit über den Schulabschluss hinaus relevant sind.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Konzepts sind Patinnen und Paten. Jede Courage-Schule sucht mindestens eine Person, die ihr Engagement unterstützt und begleitet. Das können bekannte Persönlichkeiten aus Sport, Musik oder Politik sein – ebenso wie Menschen aus dem direkten Umfeld der Schule. Darüber hinaus profitieren die Schulen von einem großen Netzwerk aus Landes- und Regionalkoordinationen sowie außerschulischen Kooperationspartnern. Dadurch erhalten sie Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Projekte.

Für uns bei context YELLOWS ist der Ansatz ein wichtiger Impuls für die Bildungsarbeit insgesamt. Gute Bildung vermittelt nicht nur Fachwissen. Sie stärkt Menschen darin, selbstständig zu denken, unterschiedliche Perspektiven zu verstehen und Verantwortung in einer vielfältigen Gesellschaft zu übernehmen. Denn: Eine bessere Gesellschaft beginnt nicht irgendwann. Sie beginnt dort, wo Menschen den Mut haben, heute etwas dafür zu tun.