Unter Almans

Deutschland ist ein Einwanderungsland. Und doch ist die Frage, wer als „deutsch“ wahrgenommen wird und wer sich selbst als Teil dieser Gesellschaft versteht, längst nicht für alle selbstverständlich. Die ARD-Reihe #unterAlmans – Migrantische Geschichte(n) setzt genau hier an. Moderatorin Salwa Houmsi trifft Menschen mit Migrationsgeschichte und spricht mit ihnen über ihre Erfahrungen in Deutschland – über Hoffnungen und Enttäuschungen, Wut und Rassismus, über Heimat und schließlich über die Frage, was Deutschsein eigentlich bedeutet.

Migration wird häufig anhand von Zahlen, politischen Entscheidungen oder gesellschaftlichen Debatten diskutiert. #unterAlmans wählt einen anderen Zugang: Die Reihe lässt Menschen selbst erzählen. Dabei kommen Menschen zu Wort, deren Familien in unterschiedlichen Jahrzehnten nach Deutschland gekommen sind. Ihre Geschichten reichen von der Nachkriegszeit über die Zeit der sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter bis zur Gegenwart. Auch Erfahrungen aus Ost- und Westdeutschland werden einbezogen.

So wird deutlich: Migration ist kein neues Phänomen. Sie gehört seit Jahrzehnten zur deutschen Geschichte – und damit auch zur deutschen Gegenwart. Die Reihe beschäftigt sich u.a. mit einer Erfahrung, die viele Menschen mit Migrationsgeschichte kennen: der Frage, wann jemand als „deutsch“ akzeptiert wird – und wann nicht.

Salwa Houmsi bringt dabei auch ihre eigene Perspektive ein. Sie beschreibt sich selbst als Berlinerin und macht damit deutlich, wie widersprüchlich es sein kann, wenn die eigene Identität von außen auf eine vermeintliche Herkunft reduziert wird. Die Frage dahinter zeigt: Wer entscheidet eigentlich darüber, wer dazugehört?

#unterAlmans spart auch die schwierigen Seiten der deutschen Einwanderungsgeschichte nicht aus. Die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner erzählen von Alltagsrassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung. Thematisiert werden unter anderem rassistische Gewalt nach der Wiedervereinigung, antimuslimischer Rassismus und Diskriminierung bei der Suche nach Arbeit oder Wohnraum. Damit wird Rassismus nicht als abstraktes gesellschaftliches Problem dargestellt, sondern als etwas, das konkrete Lebenswege beeinflusst.

Für uns bei context YELLOWS ist #unterAlmans mehr als eine sehenswerte Dokumentationsreihe. Die Geschichten zeigen, warum es wichtig ist, über Migration und Vielfalt nicht nur über Menschen, sondern mit ihnen zu sprechen. Gerade im Bildungsbereich können solche persönlichen Perspektiven einen wichtigen Beitrag leisten. Sie machen Geschichte greifbar, schaffen Raum für unterschiedliche Erfahrungen und regen dazu an, eigene Vorstellungen und Vorurteile zu hinterfragen. Das ist wichtig, weil eine vielfältige Gesellschaft nicht allein dadurch entsteht, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenleben. Entscheidend ist auch, wie wir miteinander umgehen, wem wir zuhören und wem wir selbstverständlich das Gefühl geben, dazuzugehören.

Die fünfteilige Dokumentationsreihe wurde 2022 in der ARD Mediathek veröffentlicht. Ergänzend gibt es den gleichnamigen Podcast, der die Themen Migration, Heimat, Deutschsein, Alltagsrassismus und Diskriminierung weiter vertieft.